Schöne Neue Welt Hurra!
Das “Web wir machen aus jedem Scheiß 2.0 Euro” hat wieder zugeschlagen und trägt die Kommerzialisierung der Lebenswelt in neue, unendliche Weiten.
Jetzt gibt’s endlich, endlich FRIENDS TO RENT.
Claim:
Freunde kann man nicht kaufen – aber mieten.
Kurz: eine Internetplattform für Selbstausbeutung, Prostitution, Schwarzarbeit und Dinge, die man nur Freunde für sich tun lässt.
Meine Suchen nach “Giftmüllentsorgung”, “Vertragskiller” und “Blowjob” – alles rein freundschaftlich, versteht sich – blieben leider zunächst erfolglos.
Aber das wird bestimmt noch, FRIENDS TO RENT ist ja noch beta.
Ich lass mich schon mal als Netter_Nörgler_von_nebenan registrieren, für € 0 die Stunde.
Falls du geballt erahnen möchtest, was Facebook aus deinen freiwilligen Angaben, Beiträgen, Gewohnheiten plus zugekauften Infos generiert und an seine Werbekunden weitergibt, dann versuch mal
http://www.facebook.com/ads/adboard/
Dort stehen alle für dich bestimmten Anzeigen.
Zumindest bei mir ein relativ niederschmetterndes Resümee mit einigen Pointen:
Elfentrauringe, Tattooentfernung, Angelferien in Norwegen, Sardinienprodukte und winterharte Olivenbäume.

Tolles Weihnachtsgeschenk für Giftmischerinnen, Lebensversicherungserschleicherinnen, usw.
“Weiße Witwe”-Sparen mit der Sparkasse Fürth. Kein Scherz, nur Realsatire.

…ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Klingt irgendwie nach Robinsonclub für menschliche Versuchskaninchen:

Mit “kostenlosen” Reisen nach Lateinamerika versucht da die Pharmaindustrie junge Leute zu ködern, an Medikamententests teilzunehmen.
Die Frage ist natürlich, ob man die abgebildeten Palmenstrände je zu sehen bekommt, oder doch eher die lokalen Sanitäreinrichtungen, wenn (wie wohl vorgesehen) Montezumas Rache zuschlägt.
Wer die geforderten “Milestones” nicht erfüllt und aussteigt, muss die Reise selbst zahlen.
Hinzu kommt, dass die Teilnehmer sich nicht weiter als 3h von ihrer Versuchsklinik entfernen dürfen…
Selbst für die Plazebo-Gruppe klingt das für mich nicht nach Traumreise, aber sicher wie “a journey unlike any other”, wie der Claim behauptet.
In dieser kollektivistischen Zeit so individualistisch wie möglich zu leben, ist der einzig echte Luxus, den es noch gibt. Und sei es bloß der Versand einer kleinen Grußkarte.
textet nicht ein betrübter Sowjet-Mensch im Säuberungswinter 1935, sondern das Online-Fotolabor Pixum kurz vor Weihnachten 2009.
Was ist
- an unserer Zeit bitte kollektivistisch und
- woher bitteschön, lieber Genosse Texter, hat sich dieses klassenkämpferische Wort in ihren Text verirrt?
Wahrscheinlich war’s wieder mal der Übersetzungscomputer von Google.
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