Kategorie-Archiv: Niveauvolle Unterhaltung

Nahtod-Erfahrungen nur Flugsimulation auf CO2-Flash?

Nun gibt es anscheinend eine schlüssige Erklärung für die Phänomene bei Nahtod-Erfahrungen – und sogar eine sehr simple:
Wer da im Zimmer schwebt und durch helle Tunnels ins Paradies fliegt, ist nicht auf dem Weg zum Checkin bei St. Peter sondern hat möglicherweise einfach a bissl zu viel Kohlendioxid im Blut.
Zumindest behauptet das eine unverschämt desillusionierende Studie slowenischer Wissenschaftler.

Das wäre natürlich eine schwere eine Schlappe für alle Paradiesgläubigen und Wiedergeburtler,  von denen die Ergebnisse der Studio entsprechend hitzig angefochten werden.

Jetzt wird darum eine sehr spannende Studie geplant, bei der die “Flugbahn” der Untoten mit Bildern dekoriert werden, die vom Krankenbett aus nicht gesehen werden können.

Man will damit prüfen, ob die Paradiesflieger nach der Landung davon berichten  können, oder ob’s eben doch nur Flugsimulator per Kohlendioxid war.

Hier ist der Link ausm Ärzteblatt:

Herzstillstand: Hyperkapnie erklärt Nahtod-Erfahrungen

Wahrheitsgemäßer Geburtsbericht

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Man soll ja alles mal mitgemacht haben. Ich kann jetzt zumindest stolz meiner Sammlung hinzufügen, endlich eine Geburt, ja sogar die des eigenen Kindes miterlebt zu haben. Ich hab mich ja schon lange gefragt, was daran so besonders sein soll.

Frischgebackene Väter sind nämlich hingerissen bis traumatisiert vom wunderschönen Geburtserlebnis, erzählen dann allen, wie glücklich und total überwältigt sie von diesem Ereignis sind.

Dann stellen sie viel zu viele Bilder ihres schrumpeligen Säuglings ins Internet berichten, wie toll das  erste Wickeln war und verlangen von allen Freunden, das sie den Beweis der eigenen Zeugungsfähigkeit süß finden.

Zu meiner großen Beruhigung, nicht von der gesellschaftlich diktierten Norm abgewichen zu sein, war die Geburt in der Tat ein hartes, aber sehr schönes Erlebnis, ich bin wahnsinnig glücklich, total überwältigt. Fotos seht ihr oben, gewickelt hab ich auch schon.  Seitdem ist ein Pipifleck auf meiner Seite des Bettes.

Ach ja – und ich nehme an, dass ihr unser Mädchen genauso süß und wunderschön findet, wie wir.

Außerdem bin ich unglaublich erleichtert, dass alles so gut gelaufen ist.

Ich hatte eigentlich eher ein 24-stündiges Biwak im Hebammenhaus erwartet und ein entsprechendes Lunchpaket gepackt, Rätselbücher, CDs und Kameras in die Tasche gesteckt, als es Montag, losging, einen Tag vorm Termin. Ich erwartete langes Warten, viel Blut,  Schmerzen und herzzerreißendes Geschrei, Drama, Kontrollverlust und Ohnmachtserlebnisse.

Meine Erwartungen wurden nur teilweise erfüllt. Ewiges, schmerzvolles Warten und Ohnmachtserlebnisse psychischer oder körperlicher Art fielen aus  – es ging alles wahnsinnig schnell.

Vor drei Tagen, am Freitag hatte der Doktor noch behauptet, das Kind wäre noch gar nicht in Startposition und Montag um sieben weckt mich Jonas und meint: “Du wirst heute Papa.”

Käthe hatte seit zwei Uhr immer wieder Wehen gehabt, aber als sie um halb sieben aufstand und Frühstück machte, ging’s richtig los.

Blöderweise war das 24h-Dienst Händi der Hebammen nicht besetzt oder im Funkloch oder falsch rufumgeleitet. Das hat uns aber nicht aus der Ruhe gebracht. Als wir dann jemanden erreichen konnten, musste sich Käthe noch mal hinlegen. Dann sind wir noch zur Bäckerei Wehr gefahren, um das Lunchpaket sinnvoll zu ergänzen. Kurz nach neun waren wir im Hebammenhaus in Schniegling.

Dann ging’s schnell. Gerade hatte ich  Babyklamotten, Klinikkoffer, Catering, Kameratasche und Maxicosi ins Geburtszimmer geschleppt und ein Zuckerhörnchen verspeist, da waren wir schon mittendrin.  Käthe lag erst zur Herztonüberwachung im Bett und während das CTG noch Herztöne auf das Plotterpapier krizelte, begab sie sich nach zwei heftigen Wehen in die Hocke auf den Boden, dann auf einen Geburtshocker. Auf dem Hocker hilft die Schwerkraft mit, das geht viel besser als in Schräglage, meinte die Hebamme.

Ein paar Minuten später, um 9:44 platzte die Fruchtblase, interessantes Geräusch. Käthe bekam sehr starke Wehen in kurzen Abständen, entwickelte unglaubliche Kräfte und zwei oder drei heftige Wehen später war das Köpfchen sichtbar (was ich von hinten nicht sehen, geschweige denn fotografieren konnte) und plötzlich lag zu meiner Überraschung unsere mit weißem Käse überzogene, knallrote Tochter auf dem Boden, an einer pastellblauen Nabelschnur. Auf einmal rausgeflutscht!

Geburtstzeit 10:02; Gewicht 3700g; Größe 52 cm; – auf einen Namen konnten wir uns bisher noch nicht einigen… Sie hat gar nicht geschriehen, nur ein bisschen gegluckst und gekrächzt und schien gut gelaunt zu sein. Ein unbeschreiblicher, archaischer Augenblick, als da plötzlich etwas aus Käthe kommt, die Hebamme hat was in der Hand und du weißt, was es ist, kannst es aber nicht glauben, während du im gleichen Moment dein Kind erkennst. Wie bei Sophokles.

Käthe war unglaublich tapfer, auch als ihr später ein Hautriss genäht wurde. Gut dass wir nicht in der Klinik waren, war doch sehr entspannt und gemütlich im Hebammenhaus. Die haben das sehr gut gemacht, ganz ruhig, nie invasiv und geschäftig. Nach der Geburt haben wir erstmal eine halbe Stunde Zeit bekommen den Moment zu geniesen. Dann erst wurde die Kleine vermessen, sonst wurde ihr nichts angetan, keine große Untersuchung, ewiges hin- und herreichen, keine Schläuche in die Nase, nix.

Zwei Stunden nach der Geburt sind wir nach Hause gefahren, ich hab die Damen ins Bett verfrachtet und sie haben beide den größten Teil des Tages verschlafen. Ich leg mich jetzt auch wieder dazu.

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P.S.:

Nur eine Sache noch, Jungs: die Nachgeburt.

Das ist der eigentliche Schocker. So groß wie eine Damenhandtasche und genauso schwer – und sehr, sehr blutig. Die Nabelschnur hängt  auch noch dran. Ich hab tolle Splatterbilder davon gemacht, die ich hier leider nicht zeigen kann. Sieht aus wie ein Prop aus nem Cronenberg-Film oder eine völlig unwahrscheinliche Alien-Pflanze.

Mein Lieblingsoptiker hat mir kürzlich erzählt, er hätte die Plazenta seines schulpflichtigen Sohnes noch in der Tiefkühltruhe. Da wollte er eigentlich einen Baum drauf pflanzen. Ich hab Lilians (derzeitiger Arbeitstitel in Betatestphase) Nachgeburt wohl auch deshalb mitgenommen. Das halbe Gefrierfach ist jetzt voll damit und ich hoffe, dass kein betrunkener Partygast irgendwann, bevor ich einen Baum gepflanzt habe, versucht, das Teil auf den Grill zu legen.