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The nine eyes of Google Street View – der digitale HCB?

26 Little St SE. Atlanta, Georgia


Calle del Padre Pedro Vallasco, Valencia, Spain


51 E. Claremont St. Edinburgh, Scotland

Da haben wir’s also. Man muss nur lange genug mit neun Kameras auf dem Dach durch die Weltgeschichte fahren, um der digitale Henri Cartier-Bresson, André Kertesz oder Robert Doisneau zu werden.

Weltklasse Bilder – aufgenommen von den neun Augen von Google Streetview. Der kanadische Künstler Jon Rafman hat offensichtlich sehr viel Zeit vor dem Computer verbracht und Straßenansichten mit mehr als erstaunlichem dokumentarischen und ästhetischen Wert zu Tage gefördert. Eine einzigartige kulturelle Kartografie.

P.S. Andrea: grazie per il link!

Hin und weg

Diese Sammlung alter Autogrammkarten von Truus, Bob und Jan hat mich total umgehauen. Darunter sind unglaublich schöne Portraitaufnahmen, meisterhaft mit Großformat fotografiert. Duftige Unschärfen, selektiver Fokus und äusserst cremige Verläufe. Von den 20ern bis in die 50er ist die Schwarzweiss-Portraitfotografie nochmal richtig gut geworden. Ein Medium und eine Kunst, die heute fast völlig aus dem Mainstream verschwunden ist. Die wenigen Farbbilder der Sammlung sind lauter, aber fast immer schlechter. So ähnlich wie digitale Bilder im Vergleich zu traditioneller Fotografie es heute oft sind. Man merkt eben doch, dass da die Tiefe fehlt. Die Poesie dieser Schwarzweiss-Großformat Bilder dagegen scheint heute noch ferner und unwirklicher. Dabei haben wir in der Werbung vor 10 Jahren noch fast alles auf Großformat gemacht und meine Mutter hat in den 60ern sogar noch Hochzeiten auf 13/18 fotografiert.

Im Digitalzeitalter haben wir uns nun völlig an die Kleinbild-Ästhetik kurzer Brennweiten gewöhnt, die man halt für die kleinen Sensoren braucht. Und ohne sofortige Kontrolle und Affenblick auf das Display *blind* einige wenige Filmlappen in Kameras mit Mattscheibe und Einstelltuch belichten, entwickeln und printen ist langsam, unsicher und ungesund.
Aber  sooo von gestern, dass es auf mich eine große Anziehungskraft auslöst. Wenn’s das nicht schon in Vollendung gäbe, müsste man’s erfinden.

Ich geh mal die Sinars streicheln, die liegen im Koffer. (*Schnief*)

Signreading


Ich neige zum Signreading. Das ist eine psychische Störung: die Betroffenen müssen zwanghaft alle Schilder und Beschriftungen vorlesen, die sie sehen. Vielleicht ist das so eine Art semiologischer Sammeltrieb.

Ich kannte mal ein Mädchen, die im Auto jede schriftliche Mitteilung am Wegrand nachsprach: “Bäckerei…, Friedhof…, Ausfahrt…, Stadthalle…, Sonderangebot…”.
Das war in Australien, da stehen nicht so viele Schilder pro Kilometer rum, aber seltsam war das schon.

Seitdem versuche ich mich zu zügeln. Ganz lassen kann ichs aber nicht. Aus therapeutischen Gründen fotografiere ich immer wieder Schilder, Speisekarten, Plakate, und eigne mir dadurch die zu würdigenden Worte relativ lautlos an.


Dieses Schild, ist in Großbritannien kein bisschen sonderbar. Was auf subtile Art und Weise vor Augen führt, wie schockierend die Einstellung zum Essen ist. Pizza und Pommes mit Brown Sauce, hmmm, lecker.


Für solche Schrullen, gesehen im Schaufenster eines Immobilienmaklers in Brighton, lieben wir die Briten.

Keith kann man im Hinterzimmer eines Esoterikladens konsultieren, ebenfalls in Brighton:


Auch schön.